Homöopathische Kopfschmerzbehandlung

Einleitung

Während die gängigen allopathischen Schmerzmittel wie z.B. Acethylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen die Schmerzen lediglich unterdrücken, ohne einen Heilreiz auszuüben, haben homöopathische Mittel den Anspruch, die Krankheit an der Ursache zur Ausheilung zu bringen. Die homöopathische "Schmerzmittelgabe" ist wesentlich komplizierter als die schulmedizinische. Die Mittelgabe hängt von der Art des Schmerzes, dem Ort, Begleitsymptomen und der ganzen Persönlichkeit ab. In dem Beitrag werden Hinweise zur homöopathischen Kopfschmerzbehandlung geliefert. Durch die Einnahme von homöopathischen Mitteln lassen sich andere Medikamente sehr oft einsparen.

Unterschiede zwischen einer allopathischen und homöopathischen Schmerzbehandlung

Die Wirkungsweise der allopathischen Schmerzmittel unterscheidet sich völlig von homöopathischen Arzneien. Bei allopathischen Schmerzmitteln wird an Nerven oder im Hirn in einem bestimmten Punkt eingegriffen. In der Regel wird direkt die Schmerzreaktion behandelt, gelegentlich auch die Grundkrankheit. Demgegenüber gibt es in der Homöopathie kein eigentliches Schmerzmittel. Wo im einzelnen das Homöopathikum angreift, ist nicht immer ganz klar. Es muß bei der homöopathischen Schmerzbehandlung viel mehr Wert auf das Individuum und auf die Art der Schmerzen gelegt werden. So wie bei allopathischer Schmerztherapie die Wahl des Schmerzmittels von der Grundkrankheit, der Intensität und Dauer der Schmerzen abhängt, spielt dies in der homöopathischen Behandlung ebenfalls ein Rolle, zusätzlich kommen aber noch sogenannte Modalitäten hinzu, z.B. wann der Schmerz auftritt, genau an welcher Stelle, ob der Schmerz dumpf oder bohrend usw. ist und welche allgemeinen Eigenschaften beim Betreffenden vorliegen. Oft kommt es auch darauf an, welche Ursache im homöopathischen Sinn der Schmerz hat, z.B. Folge von Durchnässung, Folge von Wind, Folge von falscher Körperhaltung usw..

Eine gleichzeitige homöopathische und allopathische Schmerzbehandlung ist im allgemeinen nicht sinnvoll. Durch Schmerzmittel wird die homöopathische Mittelwirkung relativ stark blockiert. Mit einem homöopathischen Mittel soll der Körper gestärkt werden, um selbst mit den Schmerzen fertig zu werden, während bei den allopathischen Mitteln die Schmerzentstehung bzw. Schmerzweiterleitung direkt unterbrochen wird. Durch die allopathische Schmerzbehandlung kann das Immunsystem gestört werden mit der Folge, daß es für homöopathische Mittel nicht mehr reaktionsfähig ist.

Konkrete Hinweise und Tips für die Praxis

Es werden in homöopathischen Repertorien über 500 Mittel für Kopfschmerzen angegeben. Man muß in der Homöopathie sehr genau unterscheiden, welcher Art die Kopfschmerzen sind. Es seien in der Folge einige Arzneimittel angegeben, die bei entsprechender Indikation mit großem Erfolg gegeben werden können. Nach eigener Erfahrung ist eine häufige Ursache auch eine Quecksilberbelastung durch Amalgamvergiftung, insbesondere bei Migräne. Hier ist der erfolgreichste Therapieansatz die Amalgamsanierung, sie kommt noch vor der homöopathischen Behandlung.

Natrium muriaticum (Kochsalz)

Bei Kopfschmerzen im Stirnbereich, die mit dem Lauf der Sonne zunehmen und abnehmen, ist Natrium muriaticum ein sehr gutes Mittel. Es wird einmalig in der D200 (5 Globuli) verabreicht. Typisch für Natrium muriaticum Patienten ist es, daß die Beschwerden am Meer besser werden, daß sie stark introvertiert sind und oft psychische Probleme durch ihr zurückgezogenes Leben haben. Natrium muriaticum D200 kommt auch als erstes Mittel bei der Stirnhöhlenentzündung in Frage.

Cinnabaris (Zinnober)

Cinnabaris ist typisch für Schmerzen im Oberkieferbereich, die meistens durch eine Sinusitis maxillaris bedingt sind. Durch eine Therapie mit Cinnabaris D3 kann, in Verbindung mit weiteren komplementären Verfahren (Phytotherapeutika wie Sinupret ®, Eigenblutspritze, Inhalationen, Rotlichtbestrahlungen) in der Mehrzahl der Fälle eine Kieferhöhlenentzündung problemlos innerhalb einer Woche ausgeheilt werden, ohne daß dadurch allopathische Schmerzmittel, Nasentropfen oder Antibiotikum erforderlich wären.

Spigelia (Wurmkraut)

Spigelia ist ein ideales Mittel, wenn die Kopfschmerzen isoliert an einem Punkt angegeben werden, insbesondere im Bereich der linken Stirnhöhle. Nur bei diesem punktförmigen Kopfschmerz kann Spigelia als schnell wirkende Arznei eingesetzt werden (Spigelia D6, 3x1 Tbl.tgl.).

Belladonna (Tollkirsche)

Belladonna ist ein Mittel, das verwendet wird, wenn die Kopfschmerzen relativ plötzlich auftreten, der Patient einen hochroten Kopf hat und die Arme und Beine üblicherweise kalt sind. Häufig besteht ebenfalls Fieber. Typisch für den Belladonna-Kopfschmerz ist, daß er beim Bücken besser wird. Man gibt Belladonna D30 Globuli; 3x5 Globuli innerhalb von 24 Stunden.

Glonoinum (Nitroglyzerin)

Glonoinum ist ein uraltes homöopathisches Medikament, während es in die Schulmedizin als Nitrolingual ® erst in den sechziger Jahren eingeführt wurde. Der Glonoinum Kopfschmerz entspricht dem, den wir als Folge von Nitrolingual ® Anwendung kennen. Typischereise wird der Kopfschmerz beim Hochsehen und Zurückbiegen des Kopfes schlimmer. Die Schmerzen werden besser durch Halten des Kopfes mit beiden Händen.

Lachesis (Buschmeisterschlange)

Für den Lachesis Kopfschmerz sind linksseitige Kopfschmerzen typisch, die insbesondere schon morgens beim Aufwachen bestehen. Der Patient "schläft sich in die Verschlimmerung hinein". Die Patienten sind überhitzt und überwärmt, die Kopfschmerzen an Sonnentagen schlimmer.

Lycopodium (Bärlapp)

Beim Lycopodium Kopfschmerz treten diese in der Regel in der rechten Kopfseite auf. Typisch für den Lycopodiumpatienten ist die fordernde Haltung gegenüber dem Arzt, die Schmerzen müssen schnell weg sein, hohes Anspruchsdenken, wenig Schmerztoleranz, ungesunde Lebensweise. Nikotinmißbrauch und Alkoholabusus, massenhafter Süßigkeitskonsum. Infolge dessen auch häufig Bauchschmerzen und Blähungen. Es wird in der D6 verabreicht (3x1 Tbl.tgl.).

Nux vomica (Brechnuß)

Nux vomica ist das hauptsächliche Mittel bei Folge von Alkoholmißbrauch, also dem klassischen Kater. Es wird in der D6 gegeben (3x1 Tbl.tgl.). Auffällig ist, daß der Patient, der Nux vomica braucht, meistens friert.

Arnica (Bergwohlverleih)

Arnica ist das Hauptmittel für Folge von Verletzungen. Arnica ist bei Kopfschmerzen insbesondere dann angezeigt, wenn eine Gehirnerschütterung oder eine Traumatisierung des Kopfes vorausgegangen ist. Insbesondere die Gabe von Arnica D2 (alle 30 Minuten 1 Tbl.tgl.).) kurz nach dem Trauma bessert die Kopfschmerzen sehr schnell.

Aconitum napellus (Eisenhut)

Aconit hat als Modalität Folge von Wind, plötzlicher, nächtlicher Krankheitsbeginn. Es kommt insbesondere zum Einsatz bei infektbedingten Ohrschmerzen, z.B. Mittelohrentzündungen oder auch gelegentlich Gehörgangsentzündungen. Aconit ist immer nur ein Anfangsmittel. Es wird in der D30 verabreicht, insgesamt drei Gaben à 5 Globuli im Abstand von 2 Stunden. Danach folgt ein anderes Mittel.

Pulsatilla (Küchenschelle)

Pulsatilla ist das Hauptmittel bei Mittelohrentzündungen von Kindern und Frauen. Es folgt meistens auf Aconit. Typisch für Pulsatilla sind wellenartige Ohrenschmerzen mit Fieber. Am besten wirkt es in der D4 (alle 2 Stunden 5 Globuli). Die Patienten sind meistens weinerlich.

Apis mellifica (Honigbiene)

Apis mellifica ist bei Ohrenschmerzen angezeigt, wenn auffallenderweise Kälte gewünscht wird. Es ist auch das Hauptmittel für Mittelohrentzündungen bei Männern. Es wird als D6 (3x5 Globuli oder je nach Akutizität alle 2 Std. 5 Globuli) gegeben. Apis mellifica folgt gelegentlich auf Aconit.

Dulcamara (Bittersüß)

Dulcamara ist ein sehr wichtiges homöopathisches Mittel, was als Hauptmodalität Folge von Durchnässung hat. Dulcamara kann also angezeigt sein bei der Gehörgangsentzündung, die nach dem Baden auftritt bzw. Mittelohrentzündungen nach dem Baden. Hier wird Dulcamara D6 (3x1 Tbl.tgl.) verabreicht.

Graphites (Kohlenstoff)

Graphites ist das Hauptmittel bei Gehörgangsentzündungen, wenn keine Durchnässung aus der Anamnese hervorgeht. Es wird in der D6 (3x1 Tbl.tgl.) gegeben.

Lac caninum (Hundemilch)

Lac caninum ist immer dann angezeigt, wenn die Schmerzen die Seiten ständig wechseln, aber nie gleichzeitig beidseits auftreten. Es wird als Lac caninum D6 (3x1 Tbl.tgl.) gegeben.

Verbascum thapsiforme (Königskerze)

Verbascum thapsiforme ist das Hauptmittel bei Ohrenschmerzen, bei denen keine Ursache erkennbar ist. Es muß dabei immer eine Ohrerkrankung, Nasennebenhöhlenentzündung, Mandelentzündung oder Zahnerkrankung ausgeschlossen werden. Findet sich keine Ursache, ist ein Behandlungsversuch mit Verbascum thapsiforme D6 (3x1 Tbl.tgl.) angezeigt.

Daphne mezereum (Seidelbast)

Daphne mezereum ist das Hauptmittel beim Herpes zoster und bei Postzosterneuralgie. Es wird in der D6 (3x5 Tropfen tgl.)gegeben.

Iris versicolor (Iris)

Iris ist das Hauptmittel, wenn Kopfschmerzen ständig nur am Wochenende auftreten (Wochenendmigräne). Günstig ist Iris versicolor D6 (3x1 Tbl. tgl.)

Wie gehe ich damit um?

Die angeführten homöopathischen "Schmerzmittel" sollen ein Hinweis auf die Eigenbehandlung sein. Im Einzelfall können immer ganz andere Medikamente in Frage kommen. Die Therapiehinweise sollen nicht als "Kochbuch" verstanden werden, vielmehr sollen Anregungen gegeben werden, welche Mittel helfen könnten. Im Einzelfall müssen die Medikamente immer kritisch hinterfragt werden.