
Speicheldrüsenerkrankungen
Erkrankungen der Speicheldrüsen
im Kopfbereich sind nicht ganz so häufig und im Bewusstsein der Bevölkerung
wenig vorhanden, die Betroffenen können aber ganz schön darunter leiden. Es
gibt infektiöse
Krankheiten,
nicht infektiöse Entzündungen, Tumore sowohl gutartige als auch bösartige und
Steiner-
krankungen. Die Differenzierung
kann der betroffene Patient zum Teil selbst vornehmen.
Es gibt im wesentlichen sechs
große Kopfspeicheldrüsen und tausende kleine, die eher unbedeutend sind. Die
großen Speicheldrüsen sind paarig angelegt. Die Größte ist die Glandula parotis
oder
Ohrspeicheldrüse, die sich auf
beiden Seiten vor den Ohren befindet. Die beiden Ohrspeicheldrüsen haben einen
Ausgang im Mund, im Bereich des vierten Molaren, der auch von Laien gesehen
werden kann.
Der Gang heißt Stennogang. Es
handelt sich dabei um ein kleines Loch, das beim Blick in den Mund im Bereich
des vierten Molaren bds. auffällt. Normalerweise
entleert sich beim Massieren der Ohrspeicheldrüse aus diesem Gang ein wenig
klares bis leicht trübes Sekret. Wenn man etwas isst oder nur an essen denkt,
schießt regelrecht viel Speichel aus der Ohrspeicheldrüse in den Mund.
Die nächst großen Drüsen sind die
Mundspeicheldrüsen, die Glandulae submandibulares. Sie finden sich direkt
hinter dem Kieferknochen am Mundboden, lassen sich ebenfalls meistens auch beim
Gesunden tasten. Sie haben ihren Ausgang im Whartongang, das sind kleine
Drüsenausgänge im Bereich des Mundbodens, die ebenfalls unsichtbar sind. Auch
hier lässt sich der Speichel durch massieren
der Drüse massiv provozieren.
Die dritten großen Drüsen, die
auch medizinisch weniger Bedeutung besitzen, sind die Zungenspeicheldrüsen, die
Glandulae linguales. Auch diese sind paarig angeordnet und man kann sie nur
schwerlich untersuchen oder tasten. Sie haben aber auch keinen großen
Krankheitswert.
Die Ohrspeicheldrüse und die
Mundspeicheldrüse lassen sich relativ einfach untersuchen. Zunächst werden sie
abgetastet, dabei wird auf Vergrößerung geachtet und auf verstärkten
Speichelfluss. Dann sind die Speicheldrüsen relativ einfach einer
Ultraschalluntersuchung zugänglich, wobei sie sich im Ultraschall von außen
relativ leicht beobachten lassen. Es findet sich keine Luft in dem Bereich, so
dass die Ultraschallstrahlen sehr gut
das Gewebe passieren. Etwas aufwendiger
und meist auch nicht erforderlich ist ein Computertomogramm oder
Kernspintomogramm unter Einschluss der Speicheldrüsen, ebenfalls möglich aber
aufwendig ist eine Sialographie. Dabei wird Kontrastmittel in die
Speicheldrüsen injiziert und dann eine Röntgenaufnahme von diesen durchgeführt.
Bei tumorösen Veränderungen ist auch eine Feinnadelbiopsie recht einfach
möglich, indem mit einer relativ dicken Nadel
in die Drüsen eingestochen und dabei etwas Gewebe gewonnen wird, um
dieses dann zytologisch zu untersuchen. So lassen sich bestimmte
Infektionskrankheiten feststellen, aber auch Tumore verifizieren, allerdings
ist die Methode nicht zu hundert Prozent sicher. Wesentlich aufwendiger ist
dann die Probeexcision, dabei wird ein Stück an der Speicheldrüse operativ
entfernt und dann vom Pathologen untersucht. Dies kommt meistens bei Tumorverdacht
in Betracht.
Infektiöse Krankheiten
Die bekannteste infektiöse Krankheit
der Ohrspeicheldrüsen ist Mumps oder Ziegenpeter. Allerdings tritt diese „Kinderkrankheit“ selten auf, da die
Kinder fast alle durchgeimpft sind und die Ansteckungsmöglichkeiten relativ
gering sind. Der Mumps heilt im Regelfall innerhalb einer Woche mit und ohne
Behandlung aus, daher auch der Name Wochendibbel. Es gibt auch in den seltensten
Fällen Komplikationen wie die Hodenentzündung, die Mumpsorchitits oder auch
Mumpsmeningitis, weswegen die Kinder heute standardmäßig gegen Mumps geimpft werden. Naturheilkundlich
sollte man bei Mumps reichlich zu trinken geben, damit die Drüse besser gespült
wird, gleichzeitig hilft Plumbum metallicum D12 (2x5 Globuli täglich) recht
schnell den Mumps zu beseitigen. Die Diagnose ist kein großes Problem, man kann
es einerseits im Blut finden und im Ultraschall. Die Krankheit ist heute selten
geworden.
Weitere entzündliche Erkrankungen
sind ebenfalls oft viral, bei allen möglichen Viruserkrankungen können auch die
Speicheldrüsen befallen sein. Bei all diesen Erkrankungen sind reichliche
Flüssigkeitszufuhr wichtig und das Essen von sauren Gurken, um den
Speichelfluss zu fördern. Im Regelfall heilen diese Krankheiten problemlos
wieder ab. Etwas problematischer ist die Behandlung bei bakteriellen Erkrankungen,
insbesondere beim Speicheldrüsenabszess, der aber relativ selten ist. Hier
helfen oft nur Antibiotika.
Speicheldrüsenvergrößerungen
Speicheldrüsen können bei allen
möglichen Infektionskrankheiten begleitend anschwellen. Sie können aber auch
groß werden, ohne dass eine Ursache vorliegt. Dabei kann eine Speicheldrüse
isoliert anschwellen oder alle gemeinsam. Bei allen diesen Krankheiten ist die
reichliche Flüssigkeitszufuhr
erforderlich, homöopathisch kommt
Mercurius solubilis D12 (3x5 Globuli tägl,) oder Kalium bromatum D6
(3x5 Glbobuli) infrage. Außerdem
ist hier auch der Genuss von sauren Gurken zur Speichelförderung geeignet.
Speziell bei Morbus Sjögren findet sich häufig eine Vergrößerung der
Speicheldrüsen. Dies ist eine rheumatische Krankheit, oder Autoimmun-Krankheit.
Sie bewirkt, dass die Drüsen alle nicht mehr richtig arbeiten. Dies führt zu
einer Mundtrockenheit, da wenig Schleim produziert wird.
Ein wesentliches Symptom ist eine
Augentrockenheit, da die Drüsen im Augenbereich ebenfalls nichts produzieren, häufig
entstehen Darmprobleme, da die Darmdrüsen auch nicht arbeiten und eine Scheidentrockenheit.
Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, deren Therapie leider nicht
einfach ist. Auch ist hier reichlicher Flüssigkeitskonsum notwendig.
Schulmedizinisch wird die Krankheit zum Teil mit Steroiden behandelt.
Alternativ kommt die aufsteigende Dosierung von Acidum formicicum ( zum
Beispiel D12 eine Ampulle pro Woche) infrage. Die Prognose ist insgesamt
fragwürdig.
Tumore
Der häufigste Tumor der
Speicheldrüsen, insbesondere der Ohrspeicheldrüsen, ist ein pleomorphes
Adenom, eine
Parotismischgeschwulst. Dabei handelt es sich um den Tumor einer Speicheldrüse,
der gutartig ist, aber im Laufe der Zeit
bösartig werden kann. Die einzige vernüftige Therapie ist die operative
Entfernung des Tumors bzw. der ganzen Drüse, da dieser Tumor zu Rezidiven
neigt. Eine
naturheilkundliche
Therapiemöglichkeit besteht leider nicht, dies sei hier ausdrücklich gesagt, da
es immer wieder versucht wird und regelmäßig schief geht. Der Parotismischtumor
fällt durch eine einseitige Drüsenschwellung auf, die kaum schmerzhaft ist. Der
Tumor wächst langsam und ist von außen
sichtbar.
Der Gesichtsnerv ( Nervus
facialis) ist dabei unverletzt und intakt.
Das Zystadenolymphom kommt häufig
bei Männern vor. Dabei handelt es sich um einen gutartigen Tumor, meistens in
einer oder beiden Ohrspeicheldrüsen, der durch kleine Zysten gekennzeichnet
ist. Ein Zystadenolymphom ist immer gutartig und wohl hormonabhängig. Wenn die
Diagnose gesichert ist, ist oft keine weitere Behandlung erforderlich, da nur
kosmetische Störungen bestehen.
In der Speicheldrüse kommen aber
durchaus auch alle möglichen Tumore vor, hauptsächlich Drüsenkarzinome
(Adenokarzinom, adenozystische Karzinome). Diese Tumore sind leider alle sehr
bösartig und neigen zum Teil zur Metastasierung und zu lokal destruktivem
Wachstum, was dazu führt, dass diese Tumore oft nicht in den Griff zu bekommen
sind. Hier hilft nur eine chriurgische Therapie, ggf. auch eine Bestrahlung.
Steinerkrankung
Gallensteine und Nierensteine
kennt jeder, Speichelsteine sind relativ unbekannt, obwohl sie auch gar nicht
so selten vorkommen. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass die Drüse immer vor
dem Essen anschwillt und danach wieder abschwillt. Dies ist die charakteritische
Krankengeschichte, die Patienten können aber auch selber darauf kommen, wenn
sie dies wissen. Auch hier ist es wichtig, den Speichelfluss zu fördern,
insbesondere durch reichliche Flüssigkeitszufuhr und durch saure Gurken. Dann
wird zwar die Schwellung jedes Mal auftreten, langfristig geht der Stein aber
dadurch kaputt und kann durch den Ausführungsgang den Körper verlassen. Die
Steine finden sich meistens in den Mundspeicheldrüsen,
etwas seltener in den
Ohrspeicheldrüsen. Sie sind relativ einfach durch Ultraschall nachweisbar, wenn
sie eine gewisse Größe erreicht haben. Steine lassen sich gut homöopathisch mit
Mercurius solubilis in aufsteigenden Potenzen behandeln, was aber Monate dauern
kann. Schulmedizinisch werden sie operiert,
indem man die Speichelgänge schlitzt
und dann den Stein entnimmt oder die Drüse teilweise oder ganz von außen
entfernt. Dies ist aber praktisch nie erforderlich. Ebenfalls möglich ist die
schulmedizinische Behandlung mit der Lithotripsie, dabei wird durch Stosswellen
der Stein vernichtet.
Auch hier sind die Aussichten
nicht ganz so gut.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass es bei Kopfspeicheldrüsenerkrankungen immer sinnvoll ist reichlich zu
trinken und saure Gurken zu essen, ansonsten kommt es im Einzelfall auf die
Erkrankung an, was gemacht werden muss. Leider sind die Speicheldrüsen der
Naturheilkunde nicht sehr zugänglich.